Kind oder Karriere?



Madita macht genau das, was sie immer schon gerne tun wollte: Als Kundenberaterin erstellt sie passgenaue Software für die Kunden ihres Chefs. Mit ihrem Abteilungsleiter versteht sie sich nicht so gut, aber sie macht gerne Geschäftsbesuche und hin und wieder fliegt sie deshalb auch „in der Weltgeschichte herum“, denn ihr Betrieb hat international viele Niederlassungen. Sie spricht englisch und französisch, hat sehr gute Umgangsformen und auch die vielen Überstunden stören sie nur manchmal.

Sie lebt schon seit 8 Jahren in einer festen Beziehung und dass sie beide keine Kinder wollen, war ausgemacht von Anfang an. Bis zu jenem Tag, an dem, wie sie sagt „ein Ausrutscher“ passierte: der Ausrutscher, damit meint sie ihre Schwangerschaft.

Auch als ihr Partner Leon die unerwartete Schwangerschaft nutzt, um ihr zu erklären, dass er schon vor längerem eine andere Frau kennengelernt hat und sie nun zusammenziehen möchten, ist sie nicht wirklich erschüttert: Das hat sie schon kommen sehen und außerdem kommt ohnehin nur eine Abtreibung in Frage.


Ihre Frauenärztin aber gratuliert ihr zu ihrem Kind und zeigt ihr ausführlich den Ultraschall. Sie warnt Madita vor der geplanten Abtreibung: „Das ist kein Blinddarm, was Sie da in sich tragen“ und nimmt ihr das Versprechen ab, eine Beratung bei uns in Anspruch zu nehmen.


Madita legt uns ihr Leben dar und wird immer nachdenklicher, verspricht, es „gleich morgen ihrem Chef mitzuteilen, dass sie schwanger ist“. Diese Eröffnung trifft ihn sichtbar härter als Leon – er ist schlichtweg entsetzt und bittet sie, sich an das Einstellungsgespräch zu erinnern, in dem sie selbst ihm erklärt hatte, dass Kinder in ihrem Lebensplan nicht vorgesehen seien. Das habe er ihr geglaubt und ihr schließlich einige schwierige Projekte anvertraut, er habe sein Wort gehalten, nun sei es an ihr, „das Problem zu erledigen“. Daraufhin erklärt ihm Madita, dass es sich um ein Kind, um ihr Kind, handelt, nicht um ein Schwangerschaftsgewebe und dass eine Abtreibung ihr sehr schwer fiele und es nun einmal existiere. Sie erzählt davon, dass sie in unserer Beratungsstelle war und warum sie ihre Ansichten über Abtreibung geändert habe.


Am nächsten Morgen ruft ihr Chef sie erneut zu sich und setzt mit seinem Angebot ein wochenlanges Wettrennen in Gang: Er erhöht beträchtlich ihr Gehalt.

Madita: „Das möchte ich schon gerne annehmen, das ist endlich die Anerkennung, auf die ich schon lange warte.“ Wir haben Gegenargumente, woraufhin ihr Chef erneut sein Gehaltsangebot erhöht, wir haben wieder Gegenargumente – das geht so einige Male hin und her. Bis er ihr schließlich eine ganze eigene Abteilung anbietet, wenn sie „das Kinderkriegen auf später“ verschiebt. „Das ist“, so Madita „genau das, was ich schon immer wollte, das KANN ich jetzt nicht ablehnen!“ Sie weinte sehr über ihr Dilemma und verdammte sich immer wieder, dass „ich als Frau auf die Welt gekommen bin, immer muss ICH alles ausbaden!“


Uns fiel nur noch ein Argument ein, das wir von einer Ärztin kennen: „Liebe Madita, Ihr Chef ist am Leben, Sie sind am Leben, Leon ist am Leben – was denken Sie denn, was wohl Ihr Kind am liebsten möchte?“ Das war schließlich zu unserer großen Freude die Wende – weg vom Töten ihres Kindes hin zur Konzentration auf das Wesentliche, auf die Prioritäten ihres Lebens, das vor großen Veränderungen steht.


Ihr Chef ist sehr verärgert über ihre Entscheidung, er wird ihr, so sagt er, „keine Abteilung, keine tollen Projekte mehr geben“, wenn sie nach der Elternzeit zurückkommt, das habe sie „schließlich selbst so entschieden, das Kinderkriegen hätten Sie ja anderen überlassen können, so wie Sie es mir versprochen hatten!“


Deshalb haben wir Madita gebeten, sich Zeit zu lassen mit der Entscheidung, ihr Kind, das schon ohne Vater aufwachsen wird, in die Frühbetreuung zu geben, wo es auch seine Mutter kaum sieht.



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