Ist Mörder ein Beruf?



Marika streitet mit mir über Frauenrechte: „Das MUSS doch jeder Frau erlaubt sein, da kann ihr doch keiner vorschreiben, das Kind zu bekommen!“


„Wenn SIE Rechte haben, um über Tod oder Leben zu entscheiden, wieso aber Ihr Mann denn nicht?“


Die Antwort kam prompt: „Weil der immer eine große Familie wollte und wir schon 3 Kinder haben und ICH keines mehr will, ich bin bedient! Außerdem: Familien stehen ganz am Ende der Fressleiter und das bedeutet, dass zu den vielen Ausgaben noch mehr Ausgaben kommen.“


„Das stimmt, ein Kind zu versorgen, in diesem Fall das vierte, kostet. Ja“, gab ich ihr recht. „Aber was völlig unlogisch ist: Warum muss Ihr Kind mit dem Leben bezahlen, weil die Politik oder Ihr Mann Ihnen das Leben schwermachen? Warum einen Unschuldigen opfern, wenn es doch einen Schuldigen gäbe?“


„Wer ist denn der Schuldige, können Sie mir das sagen?“, fragte sie verblüfft.


„Ich habe gehofft, SIE können mir das sagen, Sie haben schließlich einen Schuldigen gefunden und ein Todes-Urteil gefällt, also ist Ihrer Logik nach das Kind der Schuldige oder habe ich Sie falsch verstanden?“

Marika schwieg und schüttelte in stummer Zwiesprache den Kopf.


Da geht die Wohnzimmertür auf und herein kommen 2 Mädchen: Marikas Tochter Marli und deren Freundin. Sie heulen lauthals. Auf Nachfrage erfahren wir, dass sie ein Computerspiel spielen und die jeweils andere will ein Ergebnis nicht akzeptieren. Worum geht es? Es ist eine Art Stadt-Land-Beruf-Spiel. Und nachdem endlich das Geheule unterbrochen werden konnte, erfahren wir, woran sich der bittere Streit entzündete. Leila hat in einem Fach als Beruf „Mörder“ eingetippt und Marli will das nicht gelten lassen. Beide heulten wieder laut, wie junge Füchse, und Marli wollte wissen: „Ist Tiber ein Fluss und ist Mörder ein Beruf?“


Wir schwiegen, denn unsere Antwort war klar – und es dauerte lange, bis die Mutter Marli leise antwortete: „Mörder ist kein Beruf! Mörder ist ein Verbrecher!“


Weil das Urteil nun in vielerlei Hinsicht gesprochen war, öffnete ich meine Tasche und holte die Gummibärchen heraus, die ich für die Rückfahrt geplant hatte. Um die Mädchen ein bisschen zu beschäftigen, beauftragen wir sie, sie erst nach Farben zu sortieren und danach erst zu teilen. Sie traten von der Bühne ab und es war mucksmäuschenstill im Raum.


„Freuen Sie sich jetzt etwa?!!“, warf sie mir zornig an den Kopf. „Sie haben gewonnen und ICH stehe jetzt blöd da!“

„Oh nein! Sie stehen überhaupt nicht blöd da. Sie stehen da wie eine supergute Mutter, die zur richtigen Zeit die richtige Antwort gab und das zeigt Ihnen deutlich, was Sie gerade eben noch bereit waren, zu tun – und nun sind Sie umgekehrt ... Eine größere Kraft als sich selbst zu besiegen, ist nicht denkbar. Gibt es Ihrer Meinung nach eine größere Kraft?“


Wir schüttelten alle beide den Kopf und nahmen uns den komplizierten und arbeitsreichen Alltag Marikas vor, um nach Entlastung zu suchen. Die fanden wir auch.


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